Abschluss unseres Einsatzes

Zum Schluss wollen wir euch noch kurz von einem letzten Bereich berichten. Ein paar Stunden verbrachte ich (Rahel) in der Schwangerschaftsklinik (unten ein paar Bilder). Dorthin kommen jeden Tag schwangere Frauen, um ihr Gewicht und den Blutdruck überprüfen zu lassen. Sie erhalten jeweils Eier und Vitamintabletten für eine Woche. Ich konnte dort den Frauen die Vorteile der Muttermilch und des Stillens ans Herz legen. Das war wirklich eine schöne Aufgabe. Jeden Morgen findet dort auch eine Andacht und eine kurze Schwangerschaftsgymnastik statt. Faith und ihr Team machen dort eine wundervolle Arbeit.  Sie sind bei Geburten dabei und untersuchen die Neugeborenen. Sie sind an der Quelle des Lebens.

Nun verabschieden wir uns frühzeitig und fliegen heute Abend zurück in die Schweiz. Mein Papi ist am Sonntag Morgen nach einer langen Leidenszeit in seine himmlische Heimat gegangen; uns zieht es zurück in unsere irdische Heimat zu unserer Familie, Gemeinde und den Freunden. Vor allem wollen wir möglichst bald meiner Mami zur Seite stehen.

Wir hatten ein überaus wunderbare Zeit hier, haben liebevolle und kostbare Menschen kennen gelernt, die uns auch in kurzer Zeit ans Herz gewachsen sind. Es ist kostbar zu sehen, wie Gottes Reich funktioniert: über Menschen, die ihr Herz und ihre Hände für Jesus hingeben. Fantastisch!

Und jetzt hoffen wir auf eine gute Rückreise und freuen uns, euch bald zu sehen.

BIS BALD!

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Back in Manila

Wir sind heimgekommen in unser Zentrum in Manila. Ganz heim geht es erst in 11 Tagen. Noch haben wir genügend Zeit für letzte Besuche und alles zu einem guten Abschluss zu bringen. Im Moment prägt allerdings die Müdigkeit; für diese letzte Etappe brauchen wir noch neue Ziele, um sie gewinnbringend zu gestalten.  Mehr dazu im nächsten Bericht.

Dieser Blog ist in erster Linie ein „Video-Blog“. Unter folgendem Link findet ihr eine spannenden Film unserer Arbeit im Kindergarten, den wir während den Ferien zusammengestellt haben.

Der Übersicht zuliebe sind hier auch die beiden anderen bisher entstandenen Filme zugänglich.

Film 1 „Vorstellung YMC“: Hier klicken
Film 2 „Vorstellung Kinderheim“: Hier klicken
Film 3 (NEU) „Vorstellung Kindergarten“: Hier klicken

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Coco Beach Resort

Nun möchten wir euch doch etwas teil haben lassen an unseren wunderschönen Ferien auf der Insel Mindoro. Ein ziemlicher Gegensatz zu Manila. Wir haben nicht einfach ein Hotel ausgesucht; es ist ein kleiner Ort für sich mit eigenem Strand, zwei Pools, Tauchstation und Restaurants. Das Ganze ist eingebettet in einen Cocospalmenhain, voll von verschiedenen exotischen Planzen; wunderschön angelegt. Direkt am Strand beginnen die Korallenriffe, die sich hier überall befinden. Durch die Erderwärmung sind viele Teile „tot“ und die Überreste spült es an Land. Es gibt Korallenstücke wie bei uns Kieselsteine, ganze Plätze werden so besät. Es hat seinen ganz eigenen Reiz. Besonders auch das Zusammenspiel von Touristen und Einheimischen, es herrscht eine schöne Atmosphäre und viele Mitarbeiter wohnen auch auf dem Gelände. Die Einheimischen können mit ihren Motorrädern auf dem Landweg zum nächsten Ort. Für die Touristen bleibt fast nur der Boot-Weg. So warten schon am Morgen diverse Boote vor dem Strand, um die Touristen zu transferieren.
Wir haben ein wunderschönes Bambushäuschen und sehen durch die Palmen zum Meer. Eine Servicemama und ein Servicepapa sind für uns zuständig, wir können einfach die Glocke betätigen. Sie wohnen etwas hinter unserem Haus. Sie haben selber zwei Kinder (die jeden Morgen um sechs Uhr mit dem Boot zur Schule gefahren werden). Zusammen mit ihrem Praktikanten verwöhnen sie uns mit frischem Saft und Kaffee am Morgen direkt auf die Veranda geliefert. Dann werden die Betten gemacht, jeden Tag frische Handtücher und wenn wir vom Nachtessen zurück kommen sind alle Betten schön bereit, alle Moskitonetze runtergelassen und das Haus mit Antimückenspray eingedeckt. Was für ein Luxus…..brauchte direkt etwas Zeit um das auch wirklich anzunehmen, da ich mir das gar nicht gewohnt bin. Ich wollte die Betten am 1. Tag selber machen :)! Nicht schlecht habe ich gestaunt, als ich mal wegen der Wäsche nachgefragt habe, ob sie Tumbler haben. Da meinte die liebevolle Servicemama, das sei hier nicht erlaubt, sie wasche alles von Hand; alle weissen Bettlaken und Frotteewäsche!!!!
Es gibt hier auch eigene Werkstätten, ein Malatelier und ein Atelier, in dem Seifen für das Hotel und zum Verkauf hergestellt werden. Auch andere Produkte wie Antimückencrème und After-Sun-Lotion werden aus Kokosöl hergestellt. Wir konnten fast den ganzen Werdegang einer Seife live mitverfolgen. Zuerst ist ein Mitarbeiter auf eine Palme geklettert und hat die Kokosnüsse runter geworfen. Wir konnten eine gerade frisch von der Palme probieren. Dann konnte Simon die Schale abspalten, wir sahen wie die Kokosraspeln mit einer Art Fräse ausgerieben wurden. Mit Hilfe einer Hydraulikpumpe wurde die Kokosmilch schlussendlich aus den Raspeln gepresst. Die Milch wird dann drei Stunden gekocht, um das ergibt Kokosöl zu gewinnen, die Grundlage für alle Produkte!
Die Kinder geniessen es hier sehr, vor allem das Baden im Pool und im Meer. Da es hier so warm ist, gefällt es sogar den beiden Buben ausserordentlich gut im Wasser und wir können uns stundenlang darin aufhalten, Sand gibt es ja auch genug!
Beim Silent-Pool kann man sich wunderbar für Stille Zeit zurückziehen, wenn man denn die vielen Treppenstufen gemeistert hat :)!
Es ist wirklich sehr schön hier, richtig fantastisch. Wir machen natürlich auch witzige und ungewohnte Erfahrungen: Riesengekkos in der Dusche, tropfende, halb verstopfte Wasserhahnen und ein durchlässiges Dach das. Gestern Nacht kam ein Gewitter und Anna Joy hatte Angst. Als ich sie genau anschaute, waren ihre Haare nass. Ja, es hat ihr buchstäblich im Bett auf den Kopf geregnet.So haben wir sie kurzerhand in einen trockenen Winkel evakuiert. Gott sei dank war sie die einzige betroffene, die andern durchlässigen Stellen waren unbedeutend und sickerten durch den luftdurchlässigen Fussboden wieder ab: Das Bambushaus ist auf Stelzen. Sehr praktisch – der Sand, den wir allenfalls mitbringen, rieselt so direkt wieder durch die Ritzen hinaus. Klever!
Diese Filipinos haben so eine Schönheit in ihrem Leben und ihrer Art. Auch diese Menschen lassen mich über Gottes Grösse staunen. Hier noch einige Bilder zum Bericht:
Coco Beach am Morgen und am Abend:
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Blick von unserem Bambushäuschen:
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Hamburger und Pommes am Pool (Anna Joy isst schon zum ca. siebten Mal = immer „Chicken Sandwich“):
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Silent-Pool für Stille Zeiten:
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Einblicke in die Kokosnussverarbeitung:
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Simons persönliches Highlight: Tauchen nach über zehn Jahren!
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Zwischenbilanz

Am Samstag fahren wir an den Strand. Wir werden mit Auto und Schiff auf die Nachbarinsel Mindoro ins romantische Coco Beach Resort überwechseln und dort ca. 10 Tage Wellen und Sand geniessen. Im Anschluss bleibt uns genügend Zeit, nochmals einige Tage zu helfen und uns zu verabschieden.

Nach knapp vier Wochen ist es Zeit, Bilanz zu ziehen:

Simon:

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Ich staune, wie sehr unsere Zeit hier meinen Erwartungen entspricht. Der Tagesablauf, die Eindrücke, die Art des gemeinsamen Dienens mit unseren Kinder – so hatte ich es mir vorgestellt. Es begeistert mich, wie selbstverständlich und gerne sich unsere Kinder engagieren.

Am meisten prägt mich die gesamte Atmosphäre und Kultur, weniger die einzelnen Erlebnisse. Da ist die Sprache doch eine grosses Hindernis, um in die Tiefe zu finden. Trotzdem ist der Einfluss auf mein Herz massiv; ich spüre, dass ich nicht mehr gleich weitermachen werde. Dass diese Zeit Konsequenzen haben wird. Damit meine ich nicht so sehr die Art meines Dienstes, sondern vielmehr wer dieser jemand ist, der meinen Dienst verrichtet.

Es tut gut, Zeit zu haben. Nach diesen Wochen sind Beziehungen entstanden, die unserem Einsatz einen anderen Geschmack geben. Türen öffnen sich zu den Herzen und in Aufgaben, die nach den klassischen ersten Wochen noch verschlossen waren. Die viele Zeit nimmt den Stress, so dass ich mich auch jetzt noch nicht ausgelaugt fühle. Mühsam im Moment: Das überfüllte Zentrum mit vielen Kurzzeitlern, so dass wir kaum noch nach den Namen fragen und uns etwas mehr abgrenzen müssen (und das gleichzeitig weniger können).

Rahel:
DSC08330Ich bin dankbar, dass wir bis jetzt recht gesund sind. Ich hatte letzte Woche einen komischen Bauch und etwas Durchfall. Leon fühlte sich einen Tag unwohl und Aaron hat seit gestern Fieber, ist aber nach einer langen Nacht nun auch mit Fieber und Medikamenten (natürlich) auf den Beinen.

Auch ich kann mich dem Statement von Simon anschliessen. Es ist schön, auch die Mitarbeiter nun etwas zu kennen und zu plaudern. Das gibt uns etwas Konstanz, die wir alle eigentlich sehr lieben.

Die sichtbare Armut macht etwas mit uns, auch mit den Kindern. Wir waren vorgestern an einem Ort neben einer Abfalldeponie. Der Abfall wird hier abgeladen und jeweils mit Erde bedeckt, so wächst einfach grünes Schilfgras darüber. Die illegalen Arbeiter graben Löcher in die Erde bis zu 2m tief und holen so die Abfalltrennung nach. Wenn sie Plastik, Pet oder Alu usw. finden und verkaufen können, bringt das ca. zwei Franken pro Tag. Wir durften in eine Hütte mit einer spindeldürren Mutter mit acht Kindern schauen. Die haben wirklich nichts, auch oft nur 1x am Tag Essen. Anna Joy war tief betroffen und nicht nur sie; diese Bilder brennen sich ins Herz ein. Der Pastor (auf dem letzten Bild ganz rechts) ist zuständig für diese Region, er hat 2-3 Jobs, damit er durchkommt. Die Kirche wurde gesponsert von Amerikanern, denn das vorige Gebäude hatte so viele Löcher im Dach, dass die Leute mit den Regenschirmen im Gottesdienst sitzen mussten.

An unserer Strasse haben wir eine Frau mit einem Baby kennen gelernt. Ihr zwei Monate altes Baby hatte Fieber, sie bat mich um Medizin. Ihr Mann arbeitet die ganze Woche weg von zu Hause und sie kann sich die Medizin nicht leisten. Ich erhielt sie in der Apotheke unten an der Strasse für umgerechnet 1Fr 60. Sie war so dankbar, wir konnten für das Baby beten und Zoe war bewegt von dem kleinen Haus, auf deren Bettdecken wir am Boden sitzen konnten. Das ein paar Eindrücke! Wie schon gesagt uns, geht es sehr gut hier. Die Kinder erweitern ihr Gebiet langsam vom Zimmer auf das ganze Areal, weil sie sich zu Hause fühlen.

Hier auf dem Bild sind zwei wunderbare Männer zu sehen, Alvin und Tyron, sie sind von unserer Strasse und helfen auch bei den Feedings mit. Sie haben uns gleich warmherzig begrüsst und rufen uns immer zu, wenn wir durch die Strasse laufen. Kostbare Beziehungen!

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Das Kinderheim

Der Schwerpunkt unserer Einsätze hat mit dem Kinderheim zu tun. Wir verbringen ca. 2 h pro Tag dort, ausgenommen von den Wochenenden. Unser Lieblingsort wurde die Baby- und Kleinkinderabteilung. Es sind im Moment 18 Kinder dort von 4 Monaten bis fast 5 Jahren. Also passen wir mit den Buben perfekt dort hin, die Spielsachen sind in diesem Altersspektrum und die Mädchen können schon richtig mithelfen. Anna Joy konnte schon ihren Lieblingsjungen Christian füttern. Ansonsten ist es einfach eine Spielzeit mit den Kleinen. Wie bei allen Kindern ist das je nach Tagesform etwas unterschiedlich, manchmal brauchen sie einfach Aufmerksamkeit, manchmal wollen sie einfach gehalten werden und etwas Liebe tanken; denn bei 2-3 Mitarbeitern auf 18 sind zu wenig Arme da. Obwohl wir staunen, wie die Mitarbeiter gut eingespielt sind in ihrem Zeitplan, echt vorbildlich. Auch haben alle eine Liebe für die Kleinen.

Letzte Woche war wegen des Typhoons die Schule 3 Tage geschlossen. Es hat wirklich viel und z.T. heftig geregnet. Da hatten wir auch mehr Zeit mit den anderen Altern verbracht. Wir konnten mal „Krällelibändeli“ machen, mal haben wir mit ihnen geknetet, oder mit Kreiseln nach Dauer der Drehungen gewetteifert.

Jeden Abend um 19 Uhr haben sie eine kleine Andacht. Diese beginnt immer mit Singen, so ähnlich, wie ihr das im Film sehen könnt (nur ohne die Uniform der Schule)! Manchmal nehmen wir daran teil, bald werden wir auch eine kleine Andacht gestalten und ein Lied  auf Englisch singen.

Ein wirklich gesegneter Ort. Die Kinder von dort werden unterstützt von Spenden. Wir möchten uns dort auch für ein Kind einsetzen. Mal schauen was daraus wird……

Diesmal hat Zoe geholfen, einen kleinen Vorstellungsfilm vom Kinderheim zu drehen. Wer ihn sehen möchte, kann HIER klicken.

Hier noch ein Bild vom Leon mit Mark:

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Typhoonweekend auf der Logos Hope

Irgendwie passend zur Regenzeit regnet es. Wir sitzen im Auto Richtung Subic Bay, drei Autostunden nordwestlich von Manila. Dort liegt die Logos Hope von OM vor Anker. Wir freuen uns auf das Schiff und die Begegnung mit Dominic Notegen; der im Anschluss geplante Tag am Strand wird wohl von dem Typhoon ertränkt werden.

Die Anfahrt im Auto ermüdet etwas; der Eintritt in die Schiffswelt wirkt auf unsere Kinder hingegen wie eine dicke Adrenalinspritze direkt ins Hinterteil. Kaum in der Lobby angekommen, werden sie von zwei deutschen Buben begrüsst, mit Playmobil eingedeckt und in abenteuerliche Spiele verstrickt.

Die Tour durch das Schiff ist für sie fortan erduldete Begleiterscheinung dieser Kostbarkeiten. Für uns Grosse sind die Einblicke und Gespräche erfrischend, ermutigend, faszinierend (ein vertiefter Einblick zu den Begegnungen weiter unten von Rahel). Was hier geleistet wird an Arbeit für das Reich Gottes bewegt uns. Boot und Menschen verschmelzen zu einem autarken Organismus, in dem jeder seinen spezifischen Beitrag einbringt: Jede Seele, jede Maschine. So erleben wir auch Dominic als Teil des Ganzes, der mit seinem Teil Ganzes leistet. Aber noch viel mehr prägt uns dieser Ort als Mikrokosmos dieses Reiches. Wir sehen ein schwieriges Leben an Bord, aber das grösste Gewicht liegt auf dem Leben. Das Schiff lebt, pulsiert von und für die Welt.

Als wir am nächsten Tag die mühsame Rückfahrt nach Manila antreten, sind wir ausgeruht und bereit für eine neue Woche vor Ort; für Aarons Geburtstag und Regen und Hitze. Es fühlt sich paradox an, dass uns dieser kurze, aufwändige Ausflug so gut getan hat.

Begegnungen:

Wir wurden wirklich beschenkt mit Menschen. Zum einen war es unglaublich schön von Dominic zu hören, was sie alles erleben und wie das Leben auf dem Schiff funktioniert. Zum andern hat Gott wirklich diesen Besuch für uns vorbereitet. Ich hatte zwei aufschlussreiche Gespräche mit der Frau des Direktors, und mit einer wunderbaren Bernerin, die mit ihrem Mann die geistlichen Aktivitäten wie Kleingruppen, Andachten, Inputs usw. leiten. Das besondere daran war, dass keine der Begegnungen arrangiert waren, ich traf sie einfach auf dem Schiff und wir kamen ins Gespräch.  Wir erlebten auch Gemeinschaft mit einer Familie, deren Jungs uns in der Lobby begrüssten. Wir tranken Kaffee, assen Kuchen, sprachen über das Leben auf dem Schiff und fühlten uns gleich so angenommen und willkommen. Das ist etwas ganz besonderes; eben der Glanz dieses Himmelreiches. Auch die Kinder hatten es super miteinander, spielten König, Königin & Prinzessin und picknickten im Schiffsgang mit den andern deutschen Kindern.

Wir wurden von Dave aus unserem Zentrum gefahren und konnten mit ihm noch zwei philippinischen Frauen einen schönen Ausflug ermöglichen. Ihr seht sie auf dem Bild unten mitten in unserer Familie: links Venus, die Tochter der Haushaltschefin und rechts Analyn die Bäckerin. Auch die Kinder wurden warm mit ihnen.

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Heiss, Hunde, Hunger

DSC08102 Wer ist dieses Kind? Ich habe keine Ahnung. Als eines der erstes Kinder bei einem Feeding auf einem Basketballplatz mitten in einer Slumsiedlung hält es seine Schüssel mit Essen wie einen Schatz. Der Blick ist leer, überfordert mit der Situation. Darin sehe ich etwas von mir selber inmitten diesem überbordenden Leben und Leiden.

Der Brei ist heiss. Das Kind stolpert, etwas von dem kostbaren Essen tropft auf den Boden. Ich gehe zu ihm hin und nehme ihm die Schüssel ab. Das Kind läuft weiter, ich gehe mit. Durch enge Gassen, an zahnlos lächelnden Menschen und bellenden Hunden vorbei. Wir tauchen tief in die Siedlung ein. Ich werde unsicher: Weiss dieses kleine Wesen, wo es hingeht? Ein grösseres Mädchen kommt und hilft, den Weg zu finden.

Ein paar Augenblicke später stehen wir vor seinem „Haus“. Ich öffne die Türe, ein lose hingestelltes Brett; die Kinder mit dem Essen verschwinden in den wenigen Quadratmetern.

Zurück auf dem Basketballplatz spielen wir mit den anderen Kindern: Volley- und Basketball, Ballone, Seifenblasen. Wie schon die letzten Male bin ich hin- und hergerissen: Auf der einen Seite die vielen Phillippinos, denen ich gerne begegnen würde, auf der anderen meine eigenen Kinder, die in diesem Durcheinander Nähe und Unterstützung brauchen; und Zeit, ihren Platz zu finden. Insbesondere Leons Angst vor den Hunden braucht Geduld und Vorsicht, die ich nicht immer aufzubringen vermag. DSC08104 DSC08106

Feeding

Schwer zu übersetzen, dass es nicht nur animalisch klingt. Jeden Tag gibt es hier also eine Einsatzmöglichkeit, welche „Feeding“ genannt wird. Jeweils um 9 Uhr am Morgen und um 4 Uhr am Nachmittag. Wir haben zwei grosse Behälter mit einer Art Brei dabei. Er ist gefüllt mit wertvollen Vitaminen und Nährstoffen, da die z.T. kargen Mahlzeiten mager ausfallen. Wir fahren dann mit den Autos in ein Slum in der Umgebung, rufen auf dem Weg „Feeding“ und von überall kommen die Kinder mit Schalen, Tassen oder Plastiksäcken, um den heissen Brei abzuholen. Es ist denk- und dankbar einfach und macht einen Unterschied für diese Kinder. Die Küche im Zentrum hat also immer etwas zu tun.

Wenn die Kinder, welche manchmal sehr klein sind, ihre 1-2 Tassen nicht tragen können, dürfen wir sie zu zweit nach Hause begleiten, dass gibt uns etwas Einblick in ihr Wohnen, das für unsere Verhältnisse fast nicht nachvollziehbar ist. Meistens ist auch eine Krankenschwester dabei, die sich um kleinere Wunden und Probleme kümmern kann. Letzten Freitag war unser erster Einsatz. Ich staune bei aller Armut, wie zufrieden, glücklich und auch freundlich die Leute sind. Nicht nur wir haben etwas gebracht, auch unsere Kinder wurden mit einem Lolli beschenkt.

Auf den Bildern seht ihr uns in unseren Teamshirts und wie die Kinder das Essen verteilen.

Heute besuchten Anna Joy, Zoe und ich die Schwangerschaftsklinik. Dort konnte ich den Frauen den Puls und Blutdruck messen sowie das Gewicht notieren. Für die Schwangeren Frauen gab es Vitamine für auf den Weg, die von Zoe abgezählt und in ein Säcklein gefüllt wurden. Es kamen auch Neugeborene zum wägen, das liess mein Herz höher schlagen.

Gleich werden wir zum 2. Mal zum Essen verteilen mitgehen, danach werden auch wir gut versorgt.

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YunJin Lyso Ministry Center (YMC)

(Hier geht es direkt zur Reportage von Anna Joy und Simon)

Nun versuche auch ich mich mal mit einem Beitrag. Ihr hättet es ohnehin  am Schreibstil bemerkt, der sich beträchtlich  von meinem lieben Mann unterscheidet.

Nun  sind wir also vorgestern in YunJin Lyso Ministry Center angekommen, bekamen schon eine Tour zu den verschiedenen Häusern z.B. Waisenhaus und konnten im grossen Shoppingcenter für alle Trinkflaschen mit grosser Öffnung besorgen. Das ist hier unbedingt notwendig, denn in der Küche gibt es eine grosse Eiswürfelmaschine und im Esssaal steht immer eine Kühlbox mit Eiswürfeln bereit, die man dann zum kühlen des Wassers in die Trinkflaschen abfüllen kann. Herrlich, das eiskalte Trinkwasser!

Das Essen ist hervorragend und es gibt am Abend sogar Salat. Die Kinder haben doch einiges, das sie gerne haben (die einen mehr die andern weniger :)! Toast mit Marmelade mögen alle und Früchte durften wir auch schon geniessen.

Im Zentrum arbeiten mehrere Philippinos, davon wohnen 10 hier, die andern kommen von ausserhalb. Ca. 28 Volunteers inklusive uns bewohnen die Räumlichkeiten. Da unter jedem Bett weitere Matratzen sind, können sie bis zu 100 Leute beherbergen. Der Name des Zentrums stammt von einer Frau. Ihr zum Andenken wurde das Haus von ihrem Mann gestiftet. Sie starb tragischerweise an einem Autounfall zwei Wochen nach ihrer Hochzeit. Da sie eine Frau war, die Gott, das Leben sowie die Menschen liebte, ist es nun ganz in ihrem Sinn, zu welchem Zweck das Zentrum genützt wird.

Der herrliche Pool und die Lüftungspropeller machen die Hitze ganz erträglich. Wir werden gut versorgt und auch bewacht, da in der Nacht ein Wächter am Gate steht.

Ansonsten müssen wir uns trotz allen Vorzügen noch etwas einleben. Auch die Kinder, denen der Ort sehr gefällt, brauchen Zeit. Die wollen wir uns geben. Die Hitze macht etwas träg und langsam, aber das ist gut so. Wir nehmen einfach jeden Tag nach dem andern.:)

Die Leute sind unglaublich freundlich und offen, vor allem haben sie den Narren an den beiden Buben gefressen, sie sind ja fast blond!

Abschliessend ist zu erwähnen, dass hier zwei Hunde mitwohnen (die den Jungs noch etwas Angst machen), auf dem Balkon gibt es ein paar Terrarien mit Schlangen, Mäusen und Echsen. Im Hof ist ein grosser Käfig mit bunten Vögeln. Weiter kann man sich im Fitnessraum austoben und wenn man meditieren will, gibt es im 4. Stock einen wunderbaren Blick auf Metro Manila.

Anna Joy und Simon haben eine Reportage gedreht, in der das Zentrum vorgestellt wird. Um sie zu sehen, bitte hier klicken (Anmeldung nicht nötig)!

Zum Abschluss ein paar Bilder des Zentrums und von „Wachhund“ Tyson:

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verteufeltes Jubeljahr

Nach einem Einkauf in der Stadt baden wir im Pool und im Gestank der Fäkalien. Unmittelbar neben unserem Zentrum beginnt der Slum. Der Wind hat wohl gedreht und weht Gerüche von der nahen Welt ausserhalb herein.

Heute hat uns Rachel einen Überblick gegeben. Wir besichtigen das Kinderheim mit den ca. 40 Kindern, schauen in die verschiedenen Schulangebote herein (für etwas über 600 Schülerinnen und Schüler), erfahren mehr über die Schwangerschaftsklinik. Auf den kurzen Wegen zwischen den einzelnen Häusern und durch die Slums schwitzen wir.

Unser Slum hier in Cainta ist relativ neu. Die „Häuser“ stehen erst seit einem Jahr. Der Slum selbst besteht natürlich schon viel länger. Rachel erklärt, dass die Landbesitzer alle sieben Jahre das Recht haben, alles auf ihrem Land dem Erdboden gleichzumachen.

Vor einem Jahr haben sie das Recht in Anspruch genommen. Noch weiss ich nicht, warum. Noch sehe ich nicht hinter die vielen politischen Machenschaften und sozialen Geschichten, die zu solchen Konflikten führen.

Dieser Missbrauch eines göttlichen Prinzips trifft mich auch so. Die Thora spricht vom Jubel- oder Erlassjahr, während dem die Landbesitzer alles zurückerhalten sollen, das sie aufgrund von Verschuldung verkaufen mussten; so wird langfristig verhindert, dass die Kluft zwischen arm und reich grösser wird und es zu wachsenden Abhängigkeiten zwischen diesen Schichten kommt.

Wie pervers dieses Prinzip wird, wenn die Besitzverhältnisse aus den Fugen geraten sind! Statt den Armen zu dienen und auszugleichen, dient es zur Zementierung der Armut. Das ist mehr ein Jubeljahr des Teufels.