Am Samstag fahren wir an den Strand. Wir werden mit Auto und Schiff auf die Nachbarinsel Mindoro ins romantische Coco Beach Resort überwechseln und dort ca. 10 Tage Wellen und Sand geniessen. Im Anschluss bleibt uns genügend Zeit, nochmals einige Tage zu helfen und uns zu verabschieden.
Nach knapp vier Wochen ist es Zeit, Bilanz zu ziehen:
Simon:

Ich staune, wie sehr unsere Zeit hier meinen Erwartungen entspricht. Der Tagesablauf, die Eindrücke, die Art des gemeinsamen Dienens mit unseren Kinder – so hatte ich es mir vorgestellt. Es begeistert mich, wie selbstverständlich und gerne sich unsere Kinder engagieren.
Am meisten prägt mich die gesamte Atmosphäre und Kultur, weniger die einzelnen Erlebnisse. Da ist die Sprache doch eine grosses Hindernis, um in die Tiefe zu finden. Trotzdem ist der Einfluss auf mein Herz massiv; ich spüre, dass ich nicht mehr gleich weitermachen werde. Dass diese Zeit Konsequenzen haben wird. Damit meine ich nicht so sehr die Art meines Dienstes, sondern vielmehr wer dieser jemand ist, der meinen Dienst verrichtet.
Es tut gut, Zeit zu haben. Nach diesen Wochen sind Beziehungen entstanden, die unserem Einsatz einen anderen Geschmack geben. Türen öffnen sich zu den Herzen und in Aufgaben, die nach den klassischen ersten Wochen noch verschlossen waren. Die viele Zeit nimmt den Stress, so dass ich mich auch jetzt noch nicht ausgelaugt fühle. Mühsam im Moment: Das überfüllte Zentrum mit vielen Kurzzeitlern, so dass wir kaum noch nach den Namen fragen und uns etwas mehr abgrenzen müssen (und das gleichzeitig weniger können).
Rahel:
Ich bin dankbar, dass wir bis jetzt recht gesund sind. Ich hatte letzte Woche einen komischen Bauch und etwas Durchfall. Leon fühlte sich einen Tag unwohl und Aaron hat seit gestern Fieber, ist aber nach einer langen Nacht nun auch mit Fieber und Medikamenten (natürlich) auf den Beinen.
Auch ich kann mich dem Statement von Simon anschliessen. Es ist schön, auch die Mitarbeiter nun etwas zu kennen und zu plaudern. Das gibt uns etwas Konstanz, die wir alle eigentlich sehr lieben.
Die sichtbare Armut macht etwas mit uns, auch mit den Kindern. Wir waren vorgestern an einem Ort neben einer Abfalldeponie. Der Abfall wird hier abgeladen und jeweils mit Erde bedeckt, so wächst einfach grünes Schilfgras darüber. Die illegalen Arbeiter graben Löcher in die Erde bis zu 2m tief und holen so die Abfalltrennung nach. Wenn sie Plastik, Pet oder Alu usw. finden und verkaufen können, bringt das ca. zwei Franken pro Tag. Wir durften in eine Hütte mit einer spindeldürren Mutter mit acht Kindern schauen. Die haben wirklich nichts, auch oft nur 1x am Tag Essen. Anna Joy war tief betroffen und nicht nur sie; diese Bilder brennen sich ins Herz ein. Der Pastor (auf dem letzten Bild ganz rechts) ist zuständig für diese Region, er hat 2-3 Jobs, damit er durchkommt. Die Kirche wurde gesponsert von Amerikanern, denn das vorige Gebäude hatte so viele Löcher im Dach, dass die Leute mit den Regenschirmen im Gottesdienst sitzen mussten.
An unserer Strasse haben wir eine Frau mit einem Baby kennen gelernt. Ihr zwei Monate altes Baby hatte Fieber, sie bat mich um Medizin. Ihr Mann arbeitet die ganze Woche weg von zu Hause und sie kann sich die Medizin nicht leisten. Ich erhielt sie in der Apotheke unten an der Strasse für umgerechnet 1Fr 60. Sie war so dankbar, wir konnten für das Baby beten und Zoe war bewegt von dem kleinen Haus, auf deren Bettdecken wir am Boden sitzen konnten. Das ein paar Eindrücke! Wie schon gesagt uns, geht es sehr gut hier. Die Kinder erweitern ihr Gebiet langsam vom Zimmer auf das ganze Areal, weil sie sich zu Hause fühlen.
Hier auf dem Bild sind zwei wunderbare Männer zu sehen, Alvin und Tyron, sie sind von unserer Strasse und helfen auch bei den Feedings mit. Sie haben uns gleich warmherzig begrüsst und rufen uns immer zu, wenn wir durch die Strasse laufen. Kostbare Beziehungen!
